Dr. Dieter Thiel im Interview
Dr. Dieter Thiel im Interview
Dr. Dieter Thiel im Interview
Dr. Dieter Thiel im Interview
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„Wir können die gleiche Geschichte nicht hundert Jahre fortschreiben“

02.07.2019

Im Interview berichtet Dr. Dieter Thiel, Senior Consultant bei der DATA CENTER GROUP, über seinen Aufgabenbereich, Visionen und zukünftige Trends im Markt.

Herr Dr. Thiel, Sie sind als Senior Consultant bei der DATA CENTER GROUP tätig. Wie definiert sich Ihr Arbeitsbereich, wo liegen Ihre Schwerpunkte und was gehört zu Ihrem Portfolio?

D. Thiel: Die Schwerpunkte meiner Arbeit sind insbesondere die Themen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, und das, ohne die Wirtschaftlichkeit aus den Augen zu verlieren. Es geht zum einen darum, diese Ansprüche in unseren Projekten umzusetzen, aber natürlich auch, sie in externen Arbeitskreisen sowie in unseren Initialworkshops und der universitären Zusammenarbeit zu integrieren. Denn neue Ideen, Visionen und frischer Input sind sehr wichtig, um in Bewegung zu bleiben. Das unterscheidet uns auch klar von anderen Marktbegleitern.

Der Energieverbrauch von Rechenzentren in Deutschland liegt bei knapp zwei Prozent des Gesamtenergieverbrauches. Tendenz steigend. Rechenzentren sind demnach sehr energieintensive Arbeitsbereiche. Um einen Vergleich zu nennen: Wenn man den Energieverbrauch eines Rechenzentrums mit dem eines „normalen“ Verwaltungsgebäudes vergleicht, verbraucht das RZ ungefähr 400 Mal so viel wie das Verwaltungsgebäude. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Infrastruktur zum Betreiben eines Rechenzentrums 400 Mal so viel kostet. Das ist ein entscheidender Punkt: jeden Euro, den der Kunde in energiesparende Maßnahmen investiert, hat man nach etwa drei bis sechs Jahren über niedrigere Energieverbrauchskosten refinanziert. Das ist der große Unterschied zum Verwaltungsgebäude und darum sind Rechenzentren sehr gut geeignet für den Einsatz energieeffizienzsteigernder Maßnahmen. In dieser Gleichung sind die Energiekosten nach wie vor die große Unbekannte. Sicher ist: Die Kosten werden steigen. In welcher Höhe, ist derzeit nicht transparent.

Wie definiert sich Ihr Einsatzbereich? Wie laufen die Arbeitsprozesse ab? Was sind die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit bei der DATA CENTER GROUP?

D. Thiel: Das Team der SECUrisk ist im gesamten Bundesgebiet aktiv. Die Teammitglieder stehen im permanenten Austausch. Denn ständiger Wissenstransfer und gegenseitiger Input sind sehr wichtig, um erfolgreich am Markt zu agieren. Der Fokus meiner Arbeit liegt im Bereich der energetischen Optimierung respektive der Reduzierung der Betriebskosten und der Unterstützung für zertifizierungskonforme Planungen. Hier gibt es zum einen die Arbeit vor Ort. Dazu gehören unter anderem Initialworkshops. Wir beurteilen und bewerten hier im Auftrag unserer Kunden deren Bestandsrechenzentren oder geplante Erweiterungen sowie Neubauten und entwerfen darauf basierend maßgeschneiderte Konzepte und Lösungen.
Neben der Arbeit vor Ort gibt es weitere Arbeitsfelder, in deren Rahmen wir uns für die Zukunft aufstellen. So bin ich unter anderem Mitglied in der strategischen Plattform IKT des Bundesforschungsministeriums und im Expertenkreis „Blauer Engel“ des Umweltbundesamtes.  Parallel engagieren wir uns aktuell in zwei Forschungsprojekten. Eines davon beschäftigt sich mit sogenannten „Rebound“-Effekten. Wir bewerten dazu durch unser Monitoring den Energieverbrauch in Rechenzentren und decken Schwachstellen im realen Betrieb auf: Was war der prognostizierte Energieverlauf, wie sieht er tatsächlich aus, und wie lässt sich die Differenz erklären? Auf Basis dieser Erfahrung werden unsere Prognosen sicherer. Bei den einzelnen Projekten gibt es eine große Vielfalt und hohe Individualität. Das macht unsere Arbeit so interessant und abwechslungsreich. 

Teilweise sind die effizienzsteigernden Maßnahmen aber auch mit Investitionen verbunden, die Kunden aus verschiedensten Gründen (Budget, Investitionsplanungen, etc.) in der aktuellen Projektphase nicht finanzieren können oder wollen. Gemeinsam mit unserem Partner MVV bieten wir daher seit kurzem „Smart Cooling Efficiency“ an. SCE ist ein Finanzierungsmodell für energiesparende Investitionen im Rechenzentrumsbereich, im Wesentlichen fokussiert auf die Kühlung. Denn sie ist meist die größte „Schraube“, an der gedreht werden kann, um nachhaltiger zu werden.

Dr. Dieter Thiel

Dr. Dieter Thiel
verheiratet, 3 Töchter

Werdegang:

  • Studium Maschinenbau, Vertiefung Energietechnik
  • Ingenieurtätigkeit bei der Ruhrgas
  • Planungsingenieur für TGA bei Schmidt Reuter 
  • Aufbau und Leitung der Forschung und Entwicklung bei Schmidt Reuter integrale Planung und Beratung
  • Mitgesellschafter bei Deerns Deutschland GmbH
  • Lehrbeauftragter bei der RWTH Aachen
  • Senior Consultant bei der DCG

 
Hobbys:

Motorräder, Fahrräder, Tennis

 

Wie würden Sie die aktuellen Entwicklungen und Tendenzen am Rechenzentrumsmarkt beschreiben? Welche Faktoren sind hier besonders relevant?

D. Thiel: Innerhalb Deutschlands sehen wir derzeit eine Entwicklung, dass viele große Rechenzentrumsbetreiber an auswärtige Standorte ziehen. Das sind meist kühlere Regionen aber auch Länder mit niedrigeren Energiepreisen, beispielsweise Skandinavien.
Dagegen sprechen jedoch die Latenzzeiten die mit zunehmender Entfernung vom Ort der Anwendung immer größer werden. Anspruchsvolle Anwendungen brauchen aber sehr kurze Reaktionszeiten. Dies spricht für Standorte in der Region, am Ort des Geschehens. Wir liefern dazu passende und energieeffiziente Lösungen „Made in Germany“.

Das Thema Energiepreise spielt natürlich auch eine wichtige Rolle. Da sind wir in Deutschland wirklich mit den hohen Energiepreisen wirklich „Spitzenreiter“. Umso wichtiger ist eine kundenspezifisch richtige Auslegung der RZ-Infrastruktur. Die wichtigsten Faktoren hierbei sind die Vermeidung einer Überdimensionierung in Fläche und Infrastruktur bei gleichzeitiger Flexibilität und Zukunftssicherheit, um sich schnell und effizient verändernde Anforderungen einzustellen und das RZ immer im optimalen Wirkungsgradbereich zu betreiben.
Unser neu entwickeltes Expertentool DC Meteo spielt hier eine entscheidende Rolle. Denn damit haben wir Zugriff auf die aktuellen Wetterdaten und prognostizieren auch standortgenau die meteorologische Entwicklung. Kühlsysteme mit indirekter freier Kühlung lassen sich so optimal dimensionieren und im Bedarfsfall skalieren. 

Der Rechenzentrumsmarkt ist immer in Bewegung. Wie reagieren Sie auf die sich permanent im Wandel befindlichen Herausforderungen und welchen Input wollen Sie mit Ihrer Arbeit geben? Wo sehen Sie zukünftige Trends im Markt? Und was ist die neue Headline?

D. Thiel: Sicherheit war bis vor einigen Jahren noch die alles bestimmende Headline bei der Konzeption eines Projektes. Physikalische Sicherheit und technische Sicherheit können wir mittlerweile aufgrund ausgereifter Technik sehr gut garantieren. Der Faktor, der uns aktuell besonders umtreibt, sind die Betriebskosten und der steigende Anspruch an Nachhaltigkeit, wie wir ihn aus dem Bürobereich schon lange kennen. Dort lassen sich Gebäude ohne Zertifikat nicht vermarkten. Auch in diesem Bereich gibt es Optimierungspotential und hier packen wir mit unseren Lösungen an.
Die exponentielle Zunahme der Datenmenge erhöht die Nachfrage nach Rechenzentren, gerade auch kleineren ist ungebrochen. Auch immer mehr Kommunen, Stadtwerke oder Institutionen an denen Städte beteiligt sind wollen eigene Rechenzentren. Gerade dort sind die Qualitätsansprüche besonders hoch: Planungskonformität mit der DIN EN 50600 und zertifizierungsgerecht. Erfüllung der Anforderungen des „Blauen Engel“ 2019. In dem Zusammenhang wird auch das Thema Dienstleistungsrechenzentrum interessant.

Alles sehr spannende Entwicklungen, die uns die uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellen. Aber durch die Synergien der fünf Unternehmensbereiche der DATA CENTER GROUP sind wir hier sehr gut aufgestellt und realisieren für unsere Kunden Lösungen, die effizient und zukunftsorientiert sind.

Phone +49 2741 9321-0

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