Eine Frau links und ein Mann rechts stehen vor einem Schreibtisch, auf dem ein Plan liegt. Beide haben einen Stift in der Hand und zeigen auf den Plan

Vom Grobkonzept zum Großprojekt

Interview mit Christian Tigges über die Planung und Zukunft von Großprojekten
News | 20.03.2026

Herr Tigges, Sie leiten die Großprojekte der Data Center Group. Was umfasst Ihre Rolle konkret?

Großprojekte werden zunächst intern entwickelt und geplant, dabei Kundenbeziehungen aufgebaut, Konzepte im Team erarbeitet und bis zur Planreife gebracht. Aufbauend auf den durch uns erwirkten Genehmigungen arbeiten wir die Ausführungsplanung aus und realisieren die Gebäude, inklusive Inbetriebnahme zur schlüsselfertigen Übergabe.

Meine Rolle besteht insbesondere darin, Menschen aus unterschiedlichsten Disziplinen entlang unserer Wertschöpfungskette zusammenzubringen, sodass die fachliche Komplexität der Aufgabenstellung in der gegenseitigen Kommunikation verständlich wird und sich die einzelnen Puzzleteile zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen.

Was macht ein „Großprojekt“ bei der Data Center Group aus?

Großprojekte entwickeln sich entlang unserer bereits oben genannten Wertschöpfungskette, also zunächst ist eine gute Beratung des Kunden mit meinen Kollegen um das Consulting-Team und der Erstellung einer Machbarkeitsstudie der Ausgangspunkt.

Ist der Kunde zufrieden und es ist sichergestellt, dass vom Energieversorgungsunternehmen vor Ort genügend Strom bereitgestellt wird, so bekommen wir den Auftrag zur Ausarbeitung des Bauantrages für die Engineering-Abteilung. Diese setzt sich aus der Architekturabteilung und der technischen Gebäudeausrüstung zusammen, in denen alle Ingenieurleistungen von Tief- und Hochbau über Elektro und Kälte, Heizung, Klima, Lüftung, Sanitär und Sicherheit im Hause der DCG unter einem Dach koordiniert werden.

Gelingt es uns hier zu performen und die richtigen Kunden zusammenzubringen, so bieten wir auch das Bauen über unsere Kalkulationsabteilung an und realisieren die Projekte nach Auftragseingang dann in Time und Quality „schlüsselfertig“ über unsere Construction-Unit um CTO Markus Böhmer.

Darauf aufbauend und in Kombination mit Gewährleistungsfragen runden wir die Kundenzufriedenheit mit unserer Service-Abteilung durch den Abschluss von Wartungsverträgen ab.
Entlang dieser Wertschöpfungskette begleitet uns dabei das Team der Einkaufsabteilung, das Controlling sowie der Finanz- und Personalabteilung unter der Leitung von CFO Philipp Riemen. Dieser ist auch das Hauptbindeglied zu unserem Mutterkonzern MVV Mannheim, in der die DCG ein Teil des sogenannten Lösungshauses ist.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Umsetzung von Data-Center-Großprojekten?

Menschen zusammenbringen und ein Team bilden. Dabei die Besonderheiten des Projektes und die kritischen Wege identifizieren, lösungsorientiert und dennoch auf Augenhöhe bearbeiten und kommunizieren.

Die Umsetzung von Data-Center-Großprojekten selbst steht aktuell vor einer Reihe drastischer Herausforderungen, die vor allem durch den KI-Boom, steigenden Energiebedarf und regulatorische Anforderungen getrieben sind. 


Welche Faktoren entscheiden darüber, ob ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wird?

Der erfolgreiche Abschluss eines Projekts hängt von einer Kombination aus strukturierten Managementmethoden, klarer Kommunikation und qualifizierten Teams ab. Zentral ist dabei, dass das Projekt die vereinbarten Ziele, innerhalb des Zeitrahmens und im vorgegebenen Budget erreicht, bedeutet übersetzt:  Time and Quality - as always and usual bei der DCG.

Je besser wir planen, umso schneller und qualitativ hochwertiger können wir bauen. Eine kürzere Bauzeit und ein begeisterter Kunde führen unweigerlich zu günstigerem Bauen und damit zum Projekterfolg.
Bedeutet aber auch die richtigen Player am richtigen Ort einzusetzen – und für jeden einzelnen Mitwirkenden bedeutet Erfolg seinen Anteil am Projekt geleistet zu haben und Teil des Teams zu sein. Posts im hauseigenen Intranet, auf Social Media und auch der DC Mag tragen zu diesem positiven Gefühl bei.


Wie arbeiten die verschiedenen Fachbereiche bei Großprojekten zusammen?

Es wird grundsätzlich auftragsbezogen ein Team aus den Fachbereichen Architektur, Statik, Elektro, HKLS und Sicherheit aufgesetzt. Jedes Team wird durch einen unserer Projektleiter gesteuert. Dieser Leader ist auch der Ansprechpartner für den Kunden – One Face to the Customer! Aber im Hintergrund sind viele fleißige Köpfe am Werk. So werden zunächst in einem Zeichenprogramm die Grundrisse, Schnitte und Ansichten von unseren BauzeichnerInnen erstellt, wobei bereits die Großkomponenten der technischen Gebäudeausrüstung und somit die Platzverhältnisse grundlegend festgelegt werden. Im eigenen Hause erstellte Visualisierungen dienen der Veranschaulichung für Bauämter und Kunden, um deren Fragestellungen beantworten zu können.

Das technische Design wird auf der Architekturplanung dann aufgesetzt und gemeinsam die Feinplanung mit den Fachabteilungen Elektro, Kälte, Sicherheit, Sanitär, etc. abgestimmt. Gearbeitet wird dabei an einem gemeinsamen Modell, welches gepflegt und auf einer Plattform allen Beteiligten mit entsprechenden Rechten zur Bearbeitung zur Verfügung steht.


Welche Rolle spielen externe Partner und Kunden in der Projektabwicklung?

Geschäfte werden zwischen Menschen gemacht – sowohl Kundenbeziehungen als aber auch die Zusammenarbeit mit externen Planern, Gutachtern und ausführenden Firmen müssen am Ende des Tages auf Augenhöhe geschehen, um den besten Benefit für den Kunden bereitzustellen. Es ist uns wichtig hier eine gesunde Haltung zu bewahren und vertrauensvoll miteinander zu arbeiten, bei allen auch mal schwierigen Diskussionen, die das Planen und Bauen mit sich bringen.

Subunternehmer nenne ich eher Mitunternehmer – es müssen jedoch beide Seiten ähnlich „ticken“. Das bedeutet wir arbeiten mit Zulieferern, die von der Philosophie her zu uns als Mittelständler passen.

Welche Bedeutung haben Grobkonzepte für den Erfolg von Großprojekten und welche Inhalte muss ein gutes Grobkonzept zwingend abdecken?

Grobkonzepte sind für den Erfolg von Großprojekten von fundamentaler Bedeutung, da sie die Brücke zwischen der initialen Projektidee und der detaillierten Planung schlagen. Sie dienen dazu, die Komplexität zu strukturieren, Ziele zu klären und Risiken frühzeitig zu minimieren. 

Zunächst wollen wir immer im Zusammenspiel mit unseren Kunden ein passendes Modell entwickeln, welches sich auch im Business-Case darstellen lässt. Hierzu ist eine Grobkonzeption, abhängig von möglichen Endkunden wie Hyperscalern, Colocatern, Behörden, aber auch neuen Trends wie KI-Technologien zwingend notwendig.


Welche technischen Grundsatzentscheidungen werden bereits im Grobkonzept getroffen?

Im Grobkonzept oder auch High-Level Design werden die grundlegenden technischen Weichenstellungen vorgenommen, die den Rahmen für die spätere Feinkonzeption und Umsetzung bilden. Dabei handelt es sich um strategische Entscheidungen, die sich auf die Architektur, Technologien und Sicherheitsaspekte beziehen, ohne jedoch ins kleinste Detail zu gehen.  Hier gilt es sowohl baurechtliche Themen zu beachten und sowohl die Kälte- als auch Stromschemata zu definieren, abhängig von den Verfügbarkeiten.

Auch eine erste Abschätzung mit den Gutachtern bzgl. der Emissionen und der daraus folgenden Immissionen wird in diesem Zuge durchgeführt.


Wie früh werden Themen wie Redundanz, Skalierbarkeit und Verfügbarkeit festgelegt?

Themen wie Redundanz, Skalierbarkeit und Verfügbarkeit werden sehr früh festgelegt, idealerweise bereits in der Anforderungsanalyse und zu Beginn der Architekturplanung, dem sogenannten High-Level Design. Diese Entscheidungen sind grundlegend für das Systemdesign und werden oft als nicht-funktionale Anforderungen klassifiziert. Ohne die Verfügbarkeiten von Strom- und Glasfaseranschluss wird es schwierig ein Rechenzentrum zu betreiben.


Wie planen Sie heute für Anforderungen, die sich erst in einigen Jahren konkretisieren?

Eine Glaskugel haben wir natürlich nicht, aber da wir auch durch unsere Wertschöpfungskette mit allen Sinnen den Puls am Markt haben, können wir auch abschätzen, was in naher Zukunft benötigt wird. Entsprechend nehmen wir hier die Entwicklungen und Anforderungen unserer Kunden auf und entwickeln ein entsprechendes Konzept. Die Planung für Anforderungen, die sich erst in der Zukunft konkretisieren, erfordert einen Wechsel von starrer Vorhersageplanung zu agiler Anpassungsfähigkeit. Wir planen nicht was exakt kommt, sondern so, dass wir auf Unbekanntes schnell reagieren können.


Wie haben sich Großprojekte im Data-Center-Umfeld in den letzten Jahren verändert?

Großprojekte im Data-Center-Umfeld haben sich in den letzten Jahren fundamental gewandelt, angetrieben primär durch den massiven KI-Boom, gestiegene Nachhaltigkeitsanforderungen und Kapazitätsengpässe. Die Projekte sind deutlich größer, komplexer und teurer geworden, wobei der Fokus stark auf Energieeffizienz und "Speed to Market" liegt. Die Planung hat sich stark weiterentwickelt und durch den Einsatz von BIM (Building Information Modelling) können in einem frühen Stadium beispielsweise Kollisionen von Gewerken frühzeitig erkannt und ein optimaler Baukörper entwickelt werden.

Durch den Einsatz von Notstromdieselmotoranlagen, welche potenziell die Luft durch die Abgase verunreinigen können, müssen wir uns heute neben der Ausarbeitung des Bauantrages parallel mit dem Bundes-Immissions-Schutz-Gesetz (BImSch) auseinandersetzen. Hinzu kommen vermehrt Anforderungen wie Erreichung der Zertifikate Blauer Engel, DGNB-Nachhaltigkeit, LEED, ESG, usw.


Wie geht die Data Center Group mit steigenden Anforderungen an Geschwindigkeit, Nachhaltigkeit und Skalierbarkeit um?

Im Projektgeschäft sind wir es gewohnt, mit Geschwindigkeit umzugehen: Anforderungen und Änderungen in den Prozessen werden zielgerichtet zur Kundenzufriedenheit geplant und umgesetzt. Die DCG begegnet den steigenden Anforderungen an Geschwindigkeit, Nachhaltigkeit und Skalierbarkeit durch einen ganzheitlichen Ansatz, der modulare Bauweisen, energieeffiziente Technologien und maßgeschneiderte Planung kombiniert.  Nachhaltigkeit im Bauen ist für uns nicht neu, wir beraten, planen und bauen nach den entsprechenden State-of-the-Art-Standards. Energieeffizienz, Wärmerückgewinnung sind hier nur 2 Beispiele. Regenwasser nutzen wir zur Bewässerung der Außenanlagen und Grünfassaden- und Dächer.

Skalierbarkeit ist nicht neu, modulares Bauen gibt es bereits seit Jahrzenten – und die DCG ist hier Vorreiter, z.B. durch die Verwendung von Betonfertigteilen oder Containerlösungen. Serielles Bauen durch skalierbare Modulbauweise der Energieeinheiten (Transformator, USV, Batterie, NEA) haben wir seit Jahren in unserem Planungs-Portfolio.


Wie werden sich Großprojekte im Rechenzentrumsumfeld Ihrer Meinung nach weiterentwickeln?

Der Rechenzentrumsbau ist keine Marktnische mehr. Viele große Baufirmen sind dabei, Datacenter-Abteilungen aufzubauen. Dies gilt umso mehr vor dem Hintergrund, dass amerikanische Unternehmen Investitionen in Milliardenhöhe in Europa und Deutschland angekündigt haben und auch die deutsche Politik verstärkt Mittel in diesem Bereich bereitstellen möchte, da der bestehende Nachholbedarf an eigenständiger Dateninfrastruktur zunehmend erkannt wird.

Großprojekte im Rechenzentrumsumfeld (Data Center Hyperscale und Colocation) werden sich bis 2030 von bloßen Immobilienprojekten hin zu hochkomplexen, KI-gesteuerten "Infrastruktur-Kraftwerken" entwickeln. Der Treiber ist eine Verdoppelung der globalen Kapazität bis 2030, maßgeblich angetrieben durch KI-Anforderungen. 

Die DCG strebt immer danach, die beste Lösung für den Kunden zu finden. Wir haben uns mit den Anforderungen und unseren langjährigen Kunden mitentwickelt, präsentieren aber auch eigenständig Lösungen. Durch diese Erfahrung und unsere breit aufgestellte Wertschöpfungskette versuchen wir unseren Marktbegleitern immer einen Schritt voraus zu sein.


BIldquelle: © Data Center Group

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